Die Heuser Software AG greift nach den Sternen

Lesen Sie hier über die Lösung der Heuser Software AG, mit der man in Zukunft Teleskope steuert.

Aus Wikipedia: NGC 4650 ist eine 11,8 mag helle Balkenspiralgalaxie im Sternbild Zentaur. Sie ist etwa 61 Millionen Parsec von der Erde entfernt. Foto von Kfir Simon

In Namibia ist man dem Himmel besonders nah. Das wissen und schätzen vor allem Astronomen, denn der Nachthimmel über dem südafrikanischen Land ist klar und sternenreich. Es gibt keine Lichtverschmutzung in dieser dünn besiedelten Region der Erde. Im namibischen Winter von Mai bis September liegt die Wahrscheinlichkeit für einen wolkenlosen Nachthimmel bei 85%. Besonders zum Neumond hat man schon mit dem bloßen Auge einen atemberaubenden Blick auf die Milchstraße und die Unendlichkeit des Universums, die in so manchem Menschen die Sehnsucht erweckt, nach den Sternen zu greifen, sie zu erforschen und zu verstehen. Und so verwundert es nicht, dass Namibia mit seinen guten Voraussetzungen ideale Standorte für Sternenwarten bietet. Jahr für Jahr pilgern Hobbyastronomen zu extra dafür ausgestatteten Astrofarmen, um den Himmel zu beobachten und zu fotografieren. Einen kleinen Beitrag, den Sternen näher zu kommen, leistet nun das Entwicklerteam um Oliver Heuser auf der namibischen Tivoli Southern Sky Guest Farm.

Ein Teleskop in Namibia

Dort steht ein Hypergraph-Spiegelteleskop. Es ist auf einer Montierung des Unternehmens Astro Systeme Austria angebracht und mit Kameras und weiterem Equipment der Firma Finger Lakes Instrumentation ausgestattet. Das Zusammenspiel der Geräte ermöglicht es, äußere Störfaktoren, wie Windbewegungen, für die Fotografie von Himmelsobjekten auf ein Minimum zu reduzieren. So fertigen Astro-Fotografen selbst bei mehrstündiger Belichtung gestochen scharfe Fotos an.

 Mit diesem Teleskop wurde das Titelbild dieser Nachricht aufgenommen. 

Das Hypergraph-Spiegelteleskop

Was ist Astro-Software und wenn ja, wie viele?

Für die Kontrolle des Systems und das Anfertigen von professionellen Fotos wird in der Regel Software genutzt, die auf handelsüblichen Rechnersystemen zum Einsatz kommt. Es gibt nur ein Problem: Der Markt für Astronomie-Software ist sehr vielseitig und entwickelt sich rasant. Dadurch wird er aber auch unübersichtlich. So mancher Astronom hat seine eigene Anwendung für die Himmelsbeobachtung zum Selbstzweck entwickelt und der Community zur Verfügung gestellt. Für jedes Gerät, jede Eventualität, gibt es somit zahlreiche Anwendungen. Die meisten davon laufen nur auf Windows, seltener auf einem Mac oder unter Linux.

Um diesem Anwendungswirrwarr Herr zu werden, muss also eine Lösung her. Die soll leicht zu bedienen sein und dieselben Möglichkeiten bieten, die zuvor durch viele unterschiedliche Programme realisiert worden sind.

Antwort: Bedingungslos Eine

Die Automatisierungsexperten der Heuser Software AG sind dabei eine solche Lösung zu entwickeln. Das neue System ermöglicht es Hobbyastronomen, das Teleskop über ein einziges Bedienelement – in diesem Fall über eine Web-Oberfläche – zu steuern.

Die Software basiert auf generischen Architekturen und Technologien und kann somit plattformunabhängig verwendet werden. Es spielt keine Rolle, ob der Astronom MacOS, Linux oder ein Windows-System verwendet, denn die Bedienung erfolgt ganz einfach über einen Webbrowser. 

Den Entwicklern war es während der Programmierung wichtig, Hobbyastronomen und Profis ein Werkzeug an die Hand zu geben, das leicht verständlich ist. Gleichzeitig sollte es aber viele Funktionen bieten, die auch in Eigenentwicklungen weiter genutzt werden könnten. Das löste das Team praktisch so, dass die zukünftigen Anwender über eine spezielle Plug-In Technologie zusätzliche Funktionen hinzubuchen können, wie z. B. die Funktion zur Satellitenbeobachtung. Die gleichen Plug-Ins können auch für weiterführende Entwicklungen eigener Anwendungen genutzt werden, sodass die Interaktion zu derartigen Teleskopsystemen auf ein Minimum reduziert wird. Das System kann durch die neu entwickelte Software vollautomatisch angesteuert werden und jede Position selbständig anfahren sowie Sequenzen eigenständig verwalten. Das geht ohne Interaktion durch den Anwender. Und wenn doch einmal ein Benutzer ein Live-Bild der aktuellen Aufnahme betrachten will, funktioniert dies ebenso. 

Die Basis der Entwicklung besteht aus in C++ und Java geschriebenen Modulen, die multiplattformfähig umgesetzt worden ist. Die Kommunikations-Software ist in C++14 entwickelt, während die Portal-Software mittels typischer Java-APIs realisiert ist.

Die Zukunft

Und das ist noch nicht alles. Der Weg ist bereits vorgezeichnet. Die Entwickler planen, das Teleskop online zu stellen. In Zukunft können dann Astronomen - Profis und Amateure gleichermaßen - vom heimischen Wohnzimmer aus die Sternwarte virtuell besuchen und das System so steuern und verwenden, als wären sie vor Ort. Es bleibt also spannend.